Fachtag
Themenbereich: Seminare zum SGB XII und zu angrenzenden Gesetzen
Desorganisiertes Wohnen, pathologisches Horten, Messie-Syndrom - Handlungssicherheit gewinnen im Zusammenspiel von Recht und Soziale Arbeit - Fachtagung zu interdisziplinären Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten für rechtliche Betreuung, Wohnungswirtschaft und soziale Träger
Schwerpunkte
- (Vorläufige Tagesordnung - Stand der Konzeption 28. August 2026 - Änderungen vorbehalten.)
10.00 - 11.30 Uhr Pathologisches Horten Psychologische und psychosoziale Perspektiven (Mark Mühlbacher)
- Hinter vermüllten Wohnungen stehen häufig komplexe psychische und psychosoziale Problemlagen, die sich weder mit „Unordnung" noch mit „Faulheit" erklären lassen. Ein fundiertes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen des pathologischen Hortens sowie möglicher komorbider psychischer Störungen ist für alle beteiligten Akteure von zentraler Bedeutung. Es ermöglicht eine realistische Einschätzung des Verhaltens Betroffener und bildet die Grundlage für angemessene und wirksame Unterstützungsangebote. Gleichzeitig hilft dieses Verständnis dabei, unrealistische Erwartungen an schnelle Veränderungen zu relativieren sowie die eigenen Handlungsmöglichkeiten und -grenzen besser einzuordnen.
Schwerpunkte
- Grundlagen des pathologischen Hortens: Definition, Symptomatik sowie Abgrenzung zu anderen Formen von Verwahrlosung und Sammelverhalten.
- Typische psychische Hintergründe und Komorbiditäten (z. B. Störungen aus dem Zwangsspektrum, affektive Erkrankungen oder Traumafolgestörungen) sowie deren Bedeutung für den Hilfeprozess.
- Beleuchtung zentraler psychologischer Mechanismen wie Ambivalenz, Scham, Vermeidung und Kontrollverlust aus der Perspektive der Betroffenen - und warum Hilfsangebote häufig nur schwer angenommen werden.
- Überblick über bewährte psychotherapeutische und psychosoziale Interventionsansätze, darunter strukturierende Hilfen, aufsuchende Unterstützung, Expositionsbehandlung, Einkaufstraining, kognitive Umstrukturierung und motivierende Gesprächsführung.
- Einordnung der Rolle verschiedener Hilfesysteme (z. B. Messie-Beratungsstellen, sozialpsychiatrische Dienste und Selbsthilfeangebote) sowie ihrer Schnittstellen zur Wohnungswirtschaft und zu gesetzlichen sowie ambulanten Betreuungsangeboten.
Mittagspause
12.30 Uhr - 13.30 Uhr Wenn die Tür zu bleibt - Rechtliche Grenzen und Handlungsmöglichkeiten beim Betreten von Wohnungen (Prof. Tobias Noll)
- Das Betreten einer Wohnung ist in der Messiehilfe häufig ein entscheidender Moment: Fachkräfte benötigen Zugang, um die Situation einschätzen und Unterstützung ermöglichen zu können. Zugleich ist die Wohnung ein grundgesetzlich geschützter privater Lebensbereich. Der Vortrag beleuchtet, wer unter welchen Voraussetzungen eine Wohnung betreten darf und wo die rechtlichen Grenzen liegen. Im Mittelpunkt stehen typische Situationen aus der Praxis Sozialer Dienste und der Messiehilfe - von der freiwilligen Zustimmung bis zu Fällen, in denen erhebliche Gefahren vermutet werden. Dabei wird geklärt, welche Bedeutung das Hausrecht und der grundrechtliche Schutz der Wohnung haben und welche Befugnisse etwa Behörden, Polizei, Feuerwehr, rechtliche Betreuung oder Vermietende besitzen. Ziel des Vortrages ist es, Fachkräften rechtliche Orientierung für Situationen zu geben, in denen Hilfe notwendig erscheint, der Zugang zur Wohnung aber unklar, verweigert oder konfliktbehaftet ist.
Schwerpunkte
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Die Wohnung als geschützter Raum:
- Hausrecht
- Privatsphäre und der Schutz der Wohnung nach Art. 13 Grundgesetz
- Einwilligung und Zutrittsverweigerung: Wer darf den Zutritt erlauben - und was gilt, wenn die betroffene Person „Nein" sagt??
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Wer darf wann hinein? Befugnisse und Grenzen von:
- Sozialdiensten
- Ordnungsbehörden, Polizei, Feuerwehr
- Rechtlicher Betreuung
- Vermietenden) Gefahr im Verzug und akute Gefährdung (Wann kann eine Wohnung auch gegen den Willen der betroffenen Person betreten werden?)
- Typische Grenzfälle der Messiehilfe: Rechtssicheres Handeln zwischen Selbstbestimmung, Schutzauftrag, Gefahrenabwehr und praktischer Hilfe
14.00 Uhr - 15.00 Uhr Grundlagen des desorganisierten Wohnens aus sozialarbeiterischer Sicht (Robert Birk)
- Desorganisiertes Wohnen stellt soziale Fachkräfte vor komplexe Herausforderungen. Neben der konkreten Arbeit mit den Betroffenen spielen rechtliche Rahmenbedingungen, Fragen der Finanzierung und die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Akteuren eine zentrale Rolle. Der Vortrag vermittelt grundlegende fachliche, rechtliche und finanzielle Kenntnisse und zeigt aus der Perspektive der unmittelbar mit den Betroffenen arbeitenden Sozialen Arbeit auf, wie problematische Wohnsituationen professionell eingeschätzt und bearbeitet werden können.
- Im Mittelpunkt steht die Verbindung von Mensch, Wohnsituation, rechtlichem Rahmen und Hilfesystem. Dabei wird aufgezeigt, welche Handlungsmöglichkeiten bestehen, wo rechtliche und finanzielle Grenzen liegen und wie aus einer ersten Einschätzung ein tragfähiges Unterstützungs- und Handlungskonzept entwickelt werden kann.
Schwerpunkte
- Grundlagen und Erscheinungsformen des desorganisierten Wohnens - Sozialarbeiterische Einschätzung der Situation
- Grundlagen der sozialarbeiterischen Intervention
- Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge
- Grundlagen der Finanzierung
- Leistungsansprüche und Antragstellung
- Finanzielle Schnittstellen und Grenzen
- Vorgehen und sozialarbeiterisches Konzept
- Kooperation und Case Management
- Praxisorientierter Überblick
15.15 Uhr bis 16.00 Uhr Fallbesprechung Desorganisiertes Wohnen zwischen Sozialer Arbeit und Psychotherapie
- Anhand eines konkreten, anonymisierten Falles wird die praktische Arbeit mit einem Menschen in stark desorganisierten Wohnverhältnissen nachvollziehbar dargestellt. Der Fall wird schrittweise anhand von Bildern und Informationen aus der Praxis entwickelt: von der ersten Kontaktaufnahme über die Einschätzung der Wohn- und Lebenssituation bis hin zur Entwicklung eines gemeinsamen Hilfe- und Handlungskonzeptes. Dabei wird bewusst die Perspektive der Sozialen Arbeit mit der psychotherapeutischen Perspektive auf pathologisches Horten verbunden. Während die Soziale Arbeit insbesondere die konkrete Lebenssituation, Wohnraumsicherung, soziale und finanzielle Problemlagen sowie die Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren in den Blick nimmt, ordnet der Psychotherapeut mögliche psychische Hintergründe und deren Bedeutung für den Hilfeprozess ein.
Schwerpunkte
- Vorstellung eines anonymisierten Praxisfalles anhand von Bildern und schrittweise hinzukommenden Informationen
- Gemeinsame Einschätzung der Wohnsituation: Was ist sichtbar, was ist dringend und welche Risiken bestehen?
- Sozialarbeiterische Fallanalyse: Wohnraumsicherung, finanzielle und soziale Situation, Gesundheit, Selbstversorgung, Ressourcen und Unterstützungsbedarf
- Entwicklung eines konkreten Handlungskonzeptes: Was muss zuerst passieren, welche Ziele sind realistisch, und welche Maßnahmen können gemeinsam mit dem Betroffenen umgesetzt werden?
- Umgang mit Widerstand, Scham, fehlender Krankheitseinsicht oder Ablehnung von Hilfe
- 16.00 Uhr - 16.30 Uhr Podiumsdiskussion
- Das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch des Betroffenen nach Selbstbestimmung und den Anforderungen von Vermieter, Behörden, Angehörigen oder anderen Beteiligten. Wie kann eine Veränderung erreicht werden, die nicht nur kurzfristig die Wohnung ordnet, sondern langfristig die Wohn- und Lebenssituation stabilisiert?
Tagungsort
- Bildungs- und Kulturzentrum "Peter Edel", Berliner Allee 125, 13088 Berlin (Online-Teilnahme via Zoom möglich)
- Teilnahmegebühren
- $195,00 € bis vier Wochen vor Tagungsbeginn; danach 250,00 €
Für das Tagungskonzept Dr. Andreas Urbich
Menschen mit einem Messie-Syndrom oder mit pathologischem Horten stellen Fachkräfte in Betreuung, Wohnungsverwaltung und sozialen Diensten vor komplexe fachliche und rechtliche Herausforderungen. Der Umgang mit vermüllten Wohnungen, Gefährdungen für Hausgemeinschaften, Fragen der Kündigung, Grenzen der Hilfe und Möglichkeiten interdisziplinärer Zusammenarbeit verlangt ein belastbares Verständnis von Rechtsprechung, Hilfesystemen und praktischen Interventionswegen.
Der Fachtag greift diese Spannungsfelder auf und verbindet juristische Orientierung mit psychosozialer Einordnung und praxisnahen Kooperationsansätzen. Ziel ist es, die unterschiedlichen professionellen Perspektiven zusammenzuführen und Handlungssicherheit im Umgang mit schwierigen Fallkonstellationen zu stärken.
Die Teilnehmenden erhalten einen fundierten Überblick über aktuelle rechtliche und fachliche Einordnungen des Themenfelds. Sie lernen, problematische Fallverläufe besser zu analysieren, Zuständigkeiten realistischer einzuschätzen und Kooperationsbeziehungen zwischen Betreuung, Wohnungswirtschaft und Hilfesystemen gezielter zu gestalten. Der Fachtag fördert damit nicht nur Fachwissen, sondern auch die gemeinsame Entwicklung tragfähiger Handlungsstrategien im Umgang mit hochbelasteten Wohn- und Lebenssituationen.
Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessenten, die mit dem Messie-Problem in Berührung kommen, z.B. rechtliche Betreuerinnen und Betreuer, Mitarbeitende von Wohnungsunternehmen, Hausverwaltungen und Vermieterseite, Fachkräfte sozialer Träger, Mitarbeitende aus sozialpsychiatrischen, ordnungsrechtlichen und psychosozialen Arbeitsfeldern
keine
Organisatorische Fragen zu freien Teilnehmerplätzen, Anreise, Hotelbuchungen, etc. beantwortet Ihnen unser Kundenservice.
Telefon: (030) 29 33 50 0
E-Mail: info@kbw.de
Termine
CODE 1216SOGT26
16.12.2026
09:00 bis 16:00 Uhr
195,00 €
Hybrid